Über das Alter(n)

Das Älterwerden hat viele Gesichter, Aspekte und Facetten. Das Alter (als Lebensphase) und das Altern (als Prozess) stehen im Zentrum der gerontologischen Forschung, die sich mit den biologischen, medizinischen, psychologischen und sozialen Aspekten des Alter(n)s beschäftigt.

Vielfältiges Alter(n)

Das Alter und die Alternden, die Bilder vom (guten) Alter(n), die Bedingungen des Alter(n)s und die Lebensstile der Alternden verändern sich und sind stetig im Wandel – Alter(n) ist vielfältig!

Kurz-Video “Altersbilder sind vielfältig” des Fonds Gesundes Österreich

Altern ist – biologisch gesehen – eine natürliche Veränderung des Körpers, die durch Verluste und Einschränkungen gekennzeichnet ist. Daraus leitet sich ein defizitärer Blick auf das Älterwerden ab: Wir verbinden das Älterwerden mit Verlusten, Rückzug und körperlichen Einschränkungen. Diese biologische Perspektive bildet aber nur einen, vergleichsweise kleinen, Anteil der Realität des Älterwerdens ab. Psychologisch betrachtet ist das Altern ein Prozess mit hoher Stabilität und Kontinuität und entfaltet sich als ein lebenslanger Entwicklungs- und Gestaltungsprozess. Sozial betrachtet ist das Altern abhängig von sozialen Rollen, sozialen Positionen und Verhaltenserwartungen. So haben etwa neue soziale Rollen – im Ehrenamt oder der Großelternschaft – eine hohe Relevanz in der langen Lebensphase Alter.

Gesundes Alter(n) – Healthy Aging

Die Vereinten Nationen (UN) haben den Zeitraum von 2021–2030 zum Jahrzehnt des gesunden Alterns erklärt. Gesundes Altern wird definiert als „der Prozess der Entwicklung und Erhaltung der funktionellen Fähigkeiten, die Wohlbefinden im Alter ermöglichen”. Dieses gesunde Altern spannt sich auf zwischen den funktionellen Fähigkeiten im Alter (z.B. Mobilität, Möglichkeit zur Aufrechterhaltung sozialer Beziehungen), den intrinsischen Fähigkeiten (z.B. Kognition und Emotion) und der jeweiligen individuellen Umwelt älterer Menschen (z.B. Wohnen, Gemeinschaft, Technologie). Unter Federführung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fokussieren Aktivitäten in diesem Jahrzehnt auf die Verbesserung der (gesundheitlichen) Lebensbedingungen älterer Menschen.

Alter(n)sforschung – Gerontologie

Die Gerontologie ist eine interdisziplinäre wissenschaftliche Disziplin, die sich der Erforschung des Alter(n)s widmet. Sie beschäftigt sich mit biologischen, psychologischen, sozio-ökonomischen und sozio-kulturellen Bedingungen des Alter(n)s und untersucht Unterstützungsmöglichkeiten für einen aktiven und selbstbestimmten Lebensstil alternder Menschen. Erarbeitet werden die Bedingungen für einen selbstbestimmten und aktiven Lebensstil und damit für physische und geistige Gesundheit im Alter.

Forschungsschwerpunkte des Kompetenzzentrums für Gerontologie und Gesundheitsforschung an der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften umfassen:

  • Interdisziplinäre Gerontologie mit einem Schwerpunkt auf Alter(n)ssoziologie und Gerontopsychologie
  • Pflege- und Krankenversorgung und Bedarfsprognose
  • Digitalisierung und demographischer Wandel
  • Gesundheitsförderung im Alter
  • Gesundes und Aktives Altern: Soziale Teilhabe, Bildung und Kultur im Alter

Alter(n)s- und Lebensphasen

In der Gerontologie hat es sich etabliert, verschiedene Lebensphasen innerhalb der langen Lebensphase Alter zu differenzieren. Der Übergang von einem in das andere Lebensalter erfolgt individuell und kompetenzorientiert und nicht aufgrund von statischer kalendarischer Einteilung. Die Einteilungen in Altersphasen sollten deswegen als Orientierung zu verstehen sein (Kruse, 2017).

Etabliert haben sich in der gerontologischen Forschung unter anderem die folgenden Lebensphasen im späteren Leben, wobei je nach Forschungsinteresse auch weitere Altersphasen identifiziert werden können:

Das erste Erleben des Älterwerdens findet häufig im Berufsleben statt. Das Arbeitsmarktservice Österreich (AMS) bezeichnet Menschen zwischen 50 und 64 Jahren als „ältere Erwerbspersonen” (AMS, 2019). In dieser Lebensphase zeichnet sich der Eintritt in die Pension ab und schafft durch das „Empty Nest“ für ältere Eltern neue Freiräume. Zeitgleich erfolgt auch die (erste) Auseinandersetzung mit dem Altwerden und der Pflegebedürftigkeit durch die Gebrechlichkeit oder das Sterben der eigenen Eltern (Höpflinger, 2009).

Das dritte Lebensalter, welches in der Zeitspanne von ungefähr 60 bis 80 Jahren eingeordnet werden kann oder auch „gesundes Rentenalter“ (Höpflinger, 2009) genannt wird, ist durch die erhaltene körperliche und seelisch-geistige Kompetenz bestimmt. Auch wenn im dritten Lebensalter die physiologische Leistungskapazität zurückgeht und das Risiko chronischer Erkrankungen zunimmt, ist ein relativ guter Gesundheitszustand erwartbar, Hilfe oder Pflege meist noch nicht notwendig. Dieses Lebensalter ist erfahrungsgemäß durch eine hohe Lebenszufriedenheit und wenige Berichte über (soziale) Isolation und das Gefühl von Einsamkeit gekennzeichnet (Kruse, 2017).

Das vierte Lebensalter beginnt laut Kruse (2017) kalendarisch mit dem 80. Lebensjahr. In dieser Lebensphase ist eine deutliche Zunahme der Verletzlichkeit zu sehen, welche sich durch die steigende Anzahl an (chronischen) Erkrankungen wie auch vermehrte Pflegebedürftigkeit äußert. In dieser Lebensphase stehen weniger Kontaktpersonen zur Verfügung, die Wahrscheinlichkeit, dass nahestehende Personen sterben, erhöht sich und das Einsamkeitsrisiko nimmt zu (Kruse, 2017).

Alterskategorien in statistischen Daten

Im hier präsentierten Datenportal soll die Vielfalt des Älterwerdens in statistischen Daten dargestellt und damit sichtbar werden. Dafür werden die folgenden Altersgruppen verwendet, die unterschiedliche Lebensphasen des Älterwerdens repräsentieren:

Tabelle 1: Alterskategorien im Datenportal
Bis 49 Jahre Junge Bevölkerung
50-64 Jahre Ältere Erwerbstätige
65-79 Jahre Junge Alte
Ab 80 Jahren Hochaltrige

Fazit

Das Älterwerden ist heute ein vielfältiger Prozess. Die gerontologische Forschung stellt diese Heterogenität des Alter(n)s ins Zentrum der Forschung und beschäftigt sich mit den biologischen, psychologischen und sozialen Aspekten des Älterwerdens. Ein gerontologischer Blick ermöglicht es, nicht „das Alter“ oder „die Alten“ als eine homogene Gruppe wahrzunehmen, sondern unterschiedliche Lebensphasen (etwa die späte Erwerbstätigkeit, die nachberufliche Phase oder die Hochaltrigkeit) als unterschiedliche Facetten des Alter(n)s anzuerkennen.

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Literatur